So, da wären wir. Sieht doch gar nicht mal so schlimm
aus, hehe. Wenn ich mich daran erinnere, als ich das erste mal festgestellt
habe, das mich das eigene Geschlecht mehr interessiert als das andere,
das war schon komisch. Ich war zwischen Faszination und Angst hin und
hergerissen. Zum einen redete alle Welt schlecht von Homosexualität,
zum anderen war es aber für mich höchstinteressant.
Mit 14 Jahren, vielleicht auch mit 15 kaufte ich mir
die ersten Jugendzeitschriften, darunter auch die Bravo. Nun, ab und zu
waren ein paar hübsche Jungs dabei, aber halt nur manchmal. Dann
irgendwann kam ich darauf, daß es auch so ne Bravo für Mädchen
gibt und das da mehr Jungs drin waren, und so stieg ich auf die Bravo
Girl um *g*.
Da gabs aber ein Problem, wie sollte ich dem Verkäufer
klar machen, daß ein Junge eine Mädchenzeitschrift kauft ...
beim ersten Mal bin ich fast tot umgefallen, aber als ich merkte, daß
es diesen kaum juckt und in einer größeren Ansammlung von Zeitschrifen
weniger auffällt, ging es schon viel besser, und so bekam ich dann
meine ersten Jungs zu sehen.
Mit der Zeit wurde das für mich immer "normaler"
und irgendwann dachte ich gar nicht mehr so groß drüber nach.
Ich hatte zwar eine Krise mit 16 Jahren, aber die verflog ganz schnell
wieder. Ich fragte mich damals, wieso gerade ich schwul sein muße.
Mit 17 Jahren hatte ich dann mein Coming Out. Es war
an einem Samstag Abend, mein Vater nicht zu Hause und ich saß mit
meiner Mutter vorm Fernseher. Ich weiß nicht mehr was wir schauten,
aber irgendwann fragte mich meine Mutter, warum ich denn keine Freundin
hätte ... oder warum keinen Freund. Ich brauchte ein wenig, um zu
kapieren, was da jetzt die nächsten Minuten passieren würde.
Ich meinte dann zu ihr, daß ich keinen Freund hätte, aber es
schön wäre, wenn ich einen finden würde. Sie fragte völlig
gefasst, ob ich nun schwul sei und ich sagte unter Tränen ja. Ich
weiß bis heute nicht, wieso ich geweint habe. Meine Mutter fing
jedenfalls auch damit an und da saßen wir nun. Einige Zeit später
sagte sie dann, daß daran nichts schlimmes wäre und ich keine
Angst zu haben brauche. Ich bin und bleibe ihr Sohn, und daran wird nichts
in der Welt was ändern. So saßen wir dort, den Rest des Abends
und hatten viel zu bereden. Am Sonntag sollte mein Vater zurückkommen
und meine Mutter meinte, daß sie es ihm sagen wird. Das war mir
mehr als recht, denn ich hätte es mich nicht getraut.
Irgendwann so gegen 21/22 Uhr begab ich mich zu Bett
und kurze Zeit später stand dann auch mein Vater in der Tür.
Ich konnte natürlich nicht schlafen und hörte jeden Schritt
von ihm. Ich hörte sie reden, dann war kurz Ruhe und dann kam er
in mein Zimmer. Ich verkroch mich unter der Decke, tat so als ob ich schlafen
würde und harrte dem, was da kommen mochte. Er setzte sich auf mein
Bett und meinte, daß das schon okay wäre und wir am nächsten
Morgen drüber reden werden. Er strich über die Decke und ging
wieder nach draußen. Noch lange hörte ich meine Eltern reden
bis ich dann irgendwann einschlief.
Die nächsten Tage und Wochen verliefen etwas schleppend
und die Stimmung war auch nicht immer die beste, aber meine Eltern akzeptierten
meine "Entscheidung" und lernten mit meinem Schwul-sein zu leben.
Mein Vater belächelte es anfangs und meinte, es wäre eine Phase
die vorrübergehen würde, aber als ich dann meinen ersten Freund
hatte, merkte er wohl doch, daß es ernster war als er dachte.
Heute weiß es jeder in meinem Umfeld. Familie,
Freunde und Arbeitskollegen. Es lebt sich einfach leichter damit, viel
unbefangener.